Die Integration von immer mehr Strukturen auf immer kleineren
Chipflächen in der VLSI1.1-Technik führt zu Problemen, die auf lange Sicht nicht
mehr mit Elektronik allein lösbar scheinen. Bekannte Schwierigkeiten
bei zunehmender Strukturverkleinerung (Skalierung) sind z.B. der mit
höherer Taktung verbundene Energieverbrauch (Verlustleistung) und
damit Probleme der Wärmeentwicklung (Energiedissipation1.2). Aufgrund langer Leitungswege in feingranularen
Strukturen ergeben sich auch große Signalverzögerungszeiten. Bei
hohen Frequenzen kommt es zum Übersprechen der Signale benachbarter
Leitungen. Das wird problematisch bei globalen Signalen wie z.B. Takt.
Ausserdem entstehen Signalverzerrungen (Signaldispersion), die das
Signal verschmieren.
Eine Lösung scheint mit der Optoelektronik in Aussicht zu stehen. Das
Anliegen der Optoelektronik ist es, die vorteilhaften Eigenschaften
der Optik für die Rechentechnik zu nutzen, wobei Optik und Elekronik
im Sinne einer synergetischen Arbeitsteilung vereint werden. Die
Vorteile der Optik liegen bei der Kommunikation. Wegen der geringen
Wechselwirkung der Photonen untereinander gibt es kein Übersprechen
zwischen benachbarten Lichstrahlen in optischen Verbindungen. Dadurch
werden hochdichte Verbindungen möglich. Das bedeutet auch eine
höhere Störsicherheit selbst bei hohen Übertragungsfrequenzen
gegenüber elektrischen Verbindungen. Bedingt durch die Übertragung
mit Lichtgeschwindigkeit fallen Signalverzögerungen geringer aus.
Licht ist etwa um den Faktor 3 schneller als elektrischer Strom. Bei
hohen Übertragungsfrequenzen und langen Übertragungswegen ergeben
sich zudem nur geringe Energiedissipationen. Solche Eigenschaften
machen optische Verbindungen nicht nur attraktiv für die Übertragung
von Daten auf größere Distanzen per Glasfaser, sondern auch für den
Datentransport zwischen (chip-to-chip)
und innerhalb von Schaltkreisen
(on-chip). Allerdings ist nur die
Kommunikation für eine Realisierung mittels Optik geeignet. Die
beiden anderen wichtigen Standardaufgaben der Rechentechnik, die
Verarbeitung und Speicherung, sind rein-optisch nur schwer zu lösen.
Die Verarbeitung bleibt deshalb der Elektronik vorbehalten.
In den letzten Jahren wurden auf dem Gebiet der Optoelektronik große Fortschritte erzielt. Optoelektronische VLSI-Technik für Forschungszwecke steht mittlerweile einem breiten Kreis zur Verfügung. Konzepte und Architekturvorschläge liegen bereits vor, die nur noch auf eine Realisierung mit optoelektronischer Hardware warten. Als Beispiele seien binäre neuronale Assoziativspeicher, Parallelprozessoren für Festkommaarithmetik auf der Basis von Bitalgorithmen und optoelektronische Parallelrechner genannt. Für das zuletzt genannte Parallelrechner-Konzept gibt es mit dem an der Universität von Tokyo entwickelten Feldrechnersystem SPE-4k (Sensoring Processing Element-4k) bereits einen ersten Prototyp mit 4096 optoelekronischen Prozessorelementen, die auf 1 Bit operieren. Die Prozessoren sind bis jetzt noch einzeln auf Baugruppen untergebracht, sollen in naher Zukunft aber alle auf einem Chip integriert werden [EF94].