Vorliegendes Referat beschäftigt sich mit der menschlichen
Sprachproduktion und der akustischen Phonetik. Die eben genannten
Gegenstände bilden zusammen mit einem weiteren Zweig, der
Sprachwahrnehmung, die 3 klassischen Bereiche der allgemeinen
Phonetik , einem Forschungszweig innerhalb
der Sprachwissenschaft ( Linguistik ) des Faches Germanistik. Sie
werden dort nach ihrem Untersuchungsbereich benannt in
artikulatorische
Phonetik, akustische
Phonetik und
auditive
( oder perzeptive
) Phonetik.
Abbildung 1.1: Einordnung der Phonetik
Die artikulatorische Phonetik
untersucht vor allem die
physiologischen
Aspekte bei der Sprachproduktion ( die aktiven Artikulationsbewegungen
des Sprechapparates ), also die artikulatorischen Vorgänge ( der
Artikulationsprozeß ) zur Erzeugung des ( Sprach- ) Schalls (
Lautbildung ). Untersuchungsbereich der akustischen Phonetik
hingegen sind die
physikalischen
Aspekte bei der
Schallproduktion und Schallübertragung ( durch ein Medium ), sowie
sämtliche Schalleigenschaften ( Struktur des abgestrahlten
Sprachschalls ). Hierfür wird aus der Physik ein Teilbereich der
allgemeinen Schwingungs- und Wellenlehre herangezogen, nämlich der
Teilbereich Akustik , welcher Ablauf und Ausbreitung
mechanischer ( Schall- ) Schwingungen in einem Medium ( Gas,
Flüssigkeit, Festkörper ) beschreibt. Neben dem hörbaren Schall
( Hörschall ) werden auch die Bereiche des Infra-, Ultra- und
Hyperschalls mit einbezogen. Akustische Phonetik behandelt also vor
allem die Akustik der Sprache / des Sprachschalls. Gegenstand der
auditiven ( oder perzeptiven ) Phonetik
schließlich sind
die Aspekte der Wahrnehmung des Sprachschalls ( Schallrezeption )
durch das Gehör ( Hörorgan Ohr ), eben dem Hörvorgang ( auditiv,
perzeptiv, apperzeptiv
).
Neben der allgemeinen Phonetik, die die eben beschriebenen Bereiche
umfasst, wird zur Phonetik noch ein zweiter Teil gezählt, die
systematische Phonetik . Sie
beschäftigt sich zum Einen mit den minimalen Beschreibungseinheiten,
den ( durch auditive Analyse gewonnenen ) Elementareinheiten des
phonetischen Lautbestandes einer Sprache ( daher auch unter dem
Begriff einzelsprachliches Lautsystem zu finden ), den
Phonen . Sie werden, nach der traditionellen Zweiteilung
in Vokale und Konsonaten unterschieden, ,,getrennt``\
untersucht. Die Unterscheidung beruht auf physiologischen
Gegebenheiten ( zur Produktion von Konsonanten
wird ein Verschluß oder eine Enge im
Ansatzrohr
gebildet, Vokale hingegen
werden mit einem zentral offenen Ansatzrohr erzeugt ). Nach der Art
ihrer artikulatorischen Hervorbringung ( jedem Laut entspricht eine
bestimmte Organstellung oder Organbewegung ) können sie weiter
systematisch klassifiziert und beschrieben werden, worauf auch die
Systematik des IPA
= Internationales Phonetisches
Alphabet ( Alphabet der
''International Phonetic Association`` = IPA ) beruht. Zusammen mit den
Phonemen , den kleinsten bedeutungsunterscheidenten
lautlichen Einheiten, die hier nicht weiter ausgeführt werden
sollen, bilden die Phone die segmentale Ebene
lautsprachlicher Äußerungen ( Ebene der Lautsegmente ). Neben
diesen Elementen der segmentalen Ebene behandelt die systematische
Phonetik zum Anderen noch die sogenannte suprasegmentale
Struktur
( amerikanische
Terminologie ) lautsprachlicher Äußerungen, d.h. Redeelemente,
welche sich der Lautartikulation überlagern ( zu der lautsegmentalen
Ebene hinzugezogene, sog. prosodische Struktur ). Sie werden
auch prosodische Elemente genannt (
Terminologie der Prager Schule der Sprachwissenschaft ) und betreffen
melodischen Verlauf ( Sprechmelodie, Tonhöhe ), dynamischen Verlauf
( Schallstärke ) und temporalen Verlauf ( Lautdauer ) der Rede. Zu
ihnen zählen ( Wort-, Satz- ) Akzent, Sprachrhythmus und
Sprechgeschwindigkeit ( Sprechtempo ) sowie Stimmklang ( abhängig
von momentaner körperlicher und geistiger Verfassung, z.B. heisere
oder ängstliche Stimme ) und allgemeine Stimmlage. Auch das soll in
diesem Referat nicht weiter behandelt werden. Fasst man nun
allgemeine und systematische Phonetik zusammen, so ergibt sich daraus
der Aufgaben- und Untersuchungsbereich des Faches Phonetik
, der in die Naturwissenschaften Anatomie,
Physiologie, Akustik und bis in die Psychologie hineinreicht, denn
jeder phonatorische Vorgang mittels der Sprechwerkzeuge ist
körperliche Tätigkeit und damit Gegenstand physiologischer
Betrachtung. Das Resultat der Tätigkeit ist physikalisch-akustischer
Natur und somit physikalischer Betrachtungsgegenstand. Aber Sprechen
als schallerzeugende Verständigungs- und Ausdrucksgebärde ist auch
Zeichen eines psychologischen Geschehens und daher auch vom
psychologischen Gesichtspunkt aus zu sehen.