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Vokalformanten

Eine völlige Gleichheit des Rohrquerschnittes wie beim Modell ist beim menschlichen Ansatzrohr aufgrund seiner Vielgliedrigkeit jedoch nicht gegeben. Die auftretenden Resonanzen der Luftsäule, die Formanten, sind daher keine diskreten Werte, sondern Resonanzbereiche,   die durch ihre Mittenfrequenzen   angegeben werden. Nach der Frequenz-Wellenlängen-Schallgeschwindigkeitsgleichung   tex2html_wrap2038 mit tex2html_wrap2039 , lassen sich für das neutrale Ansatzrohr   ( neutrale Einstellung, d.h. keine spezifischen Einengungen oder übermäß igen Erweiterungen durch artikulierende Organe im menschlichen Ansatzrohr ) mit tex2html_wrap2040 mittlerer Ansatzrohrlänge die ersten drei Mittenfrequenzen der Luftsäule berechnen : tex2html_wrap2041 passt in Rohrlänge l, d.h.

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Allgemein gilt :

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Die Resonanzen mit diesen Mittenfrequenzen sind die ersten drei Vokalformanten tex2html_wrap2042 des idealen Neutralvokals   gif ( Zentralvokal, Indifferenzvokal, Murmelvokal, Schwa-Laut ).         Die Lage der ersten beiden Vokalformanten tex2html_wrap2043   kann durch Formänderung im Ansatzrohr ( Mundöffnung, Zungenstellung,Ansatzrohrlänge, s.u. ), also durch Artikulation stark verändert werden, der 3. Formant ist schon weniger variabel. Von dem 4. aufwärts sinkt die Variabilität der Formanten dann rapide ab.

Wie sich Formveränderungen des Ansatzrohres auf die Mittenfrequenzen der Formanten auswirken, d.h. wie sie als Formantverschieber   wirken, beschreiben folgende 4 Regeln :

  1. Die Längeregel   : Es gilt tex2html_wrap2045 je kürzer das Ansatzrohr, umso höher die Frequenzen der Vokalformanten. Bei der Frau ist das Ansatzrohr im Durchschnitt etwa 15 % kürzer als das des Mannes, daher liegen die Mittenfrequenzen der Formanten des Neutralvokals im Durchschnitt bei tex2html_wrap2046 . Beim kleinen Kind beträgt die Länge des Ansatzrohres etwa die Hälfte der des erwachsenen Mannes, folglich sind tex2html_wrap2047 doppelt so hoch wie beim Mann. Beim natürlichen Sprechen/Sprecher kann z.B. durch Lippenvorstülpung und ( geringe ) Kehlkopfanhebung eine Formantenabsenkung erreicht werden.
  2. Die Regel der Verengung im Ansatzrohr  : Abhängig vom Ort der Engebildung wird Einfluß auf tex2html_wrap2048 oder tex2html_wrap2049 genommen. Verengung in der vorderen Ansatzrohrhälfte ( in der Mundhöhle ) erniedrigt den Wert von tex2html_wrap2048 , daher haben [ i: ] und [ u: ] den niedrigsten tex2html_wrap2048 . Den entgegengesetzten Effekt mit steigendem tex2html_wrap2048 bewirkt eine Engebildung im pharyngalen Teil, daher hat [ a ] den höchsten tex2html_wrap2048 . Aus der Verengung des vorderen Teils des Mundhohlraumes resultiert eine Erhöhung der Frequenz von tex2html_wrap2049 , bei der des hinteren Teils dagegen sinkt die Frequenz von tex2html_wrap2049 .
  3. Die Regel der Lippenrundung   : Verengende Lippenrundung ( mit meißt schwacher Vorstülpung ) bewirkt eine Frequenzabsenkung aller Formanten, der Einfluß auf tex2html_wrap2049 und tex2html_wrap2057 ist größer als auf tex2html_wrap2048 . Z.B. hat der mit starker Lippenrundung ( labial ) gebildete Langvokal [ y: ] mit tex2html_wrap2059 einen viel niedrigeren tex2html_wrap2049 als der ohne Lippenrundung ( illabial ) artikulierte Langvokal [ i: ] mit tex2html_wrap2061 .
  4. Die Regel der Kieferwinkelöffnung gif ( auch angegeben durch Öffnungsgrad und Gespanntheitgif ) : Je größer der Kieferwinkel ( o.a.: mit Tendenz zu offen und ungespannt ), desto höher die Frequenz von tex2html_wrap2048 , deshalb ist tex2html_wrap2048 bei Langvokalen mit kleinem Kieferwinkel niedriger als bei den Kurzvokalen mit offenem.

Das akustische Vokalsystem     läßt sich somit erklären als Verschiebung der Resonanzen ( Formanten ) des neutralen Rohres aus der neutralen Lage durch geometrische Änderungen ( des Rohrquerschnittes und der Länge ). Eine Tabelle mit den ersten zwei Formanten von deutschen Vokalen aus artikulatorischen Kontexten ( mit gerundeten statistischen Mittelwerten nach RAUSCH 1972 ) ist in [3], Seite 124, Tab. 8 zu finden. Eine graphische Darstellung dieser Werte liefert das sogenannte akustische Vokalviereck     ( Matrix der tex2html_wrap2049 -Variation zur tex2html_wrap2048 -Variation, s. [3], S. 126, Abb. 39 ).

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Abbildung 2.16: Akustisches Vokalviereck der dt. Vokale

Eine artikulatorische Einteilung der Vokale hingegen stellt das artikulatorische Vokalviereck ( Vokaltrapez, Vokaldreieck )         der deutschen Laute ( z.B. nach MARTENS 1977 ) dar ( siehe 2.1.5, Seite gif ).


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Thomas Hoehn
Wed Jun 11 17:05:59 MET DST 1997