Eine völlige Gleichheit des Rohrquerschnittes wie beim Modell ist
beim menschlichen Ansatzrohr aufgrund seiner Vielgliedrigkeit jedoch
nicht gegeben. Die auftretenden Resonanzen der Luftsäule, die
Formanten, sind daher keine diskreten Werte, sondern Resonanzbereiche,
die durch ihre Mittenfrequenzen
angegeben werden. Nach der
Frequenz-Wellenlängen-Schallgeschwindigkeitsgleichung
mit
, lassen sich für
das neutrale Ansatzrohr ( neutrale
Einstellung, d.h. keine spezifischen Einengungen oder übermäß
igen Erweiterungen durch artikulierende Organe im menschlichen
Ansatzrohr ) mit
mittlerer Ansatzrohrlänge
die ersten drei Mittenfrequenzen der Luftsäule berechnen :
passt in Rohrlänge l, d.h.
Allgemein gilt :
Die Resonanzen mit diesen Mittenfrequenzen sind die ersten drei
Vokalformanten
des idealen
Neutralvokals
( Zentralvokal,
Indifferenzvokal, Murmelvokal, Schwa-Laut ).
Die
Lage der ersten beiden Vokalformanten
kann
durch Formänderung im Ansatzrohr ( Mundöffnung,
Zungenstellung,Ansatzrohrlänge, s.u. ), also durch Artikulation
stark verändert werden, der 3. Formant ist schon weniger variabel.
Von dem 4. aufwärts sinkt die Variabilität der Formanten dann
rapide ab.
Wie sich Formveränderungen des Ansatzrohres auf die Mittenfrequenzen der Formanten auswirken, d.h. wie sie als Formantverschieber wirken, beschreiben folgende 4 Regeln :
( auch
angegeben durch Öffnungsgrad und Gespanntheit
) : Je größer der Kieferwinkel ( o.a.: mit Tendenz zu
offen und ungespannt ), desto höher die Frequenz von
Das akustische Vokalsystem
läßt sich somit erklären als
Verschiebung der Resonanzen ( Formanten ) des neutralen Rohres aus der
neutralen Lage durch geometrische Änderungen ( des Rohrquerschnittes
und der Länge ). Eine Tabelle mit den ersten zwei Formanten von
deutschen Vokalen aus artikulatorischen Kontexten ( mit gerundeten
statistischen Mittelwerten nach RAUSCH 1972 ) ist in
[3], Seite 124, Tab. 8 zu finden. Eine graphische
Darstellung dieser Werte liefert das sogenannte akustische
Vokalviereck
( Matrix der
-Variation zur
-Variation, s. [3], S. 126, Abb. 39 ).
Abbildung 2.16: Akustisches Vokalviereck der dt. Vokale
Eine artikulatorische Einteilung der Vokale hingegen stellt das
artikulatorische Vokalviereck ( Vokaltrapez, Vokaldreieck )
der deutschen Laute ( z.B. nach MARTENS
1977 ) dar ( siehe 2.1.5, Seite
).