1) Peteri rasiert sichi
2) Wiri helfen einanderi
3) daß Hans, als er [ NPi
dem Mann ] begegnete, ihni ansprach
4) daß Hansj, als erj ihmi
begegnete, [ NPi den Mann ] ansprach
5) weil Hansj [ NPi dem Mann ]
PROj ihni zu besuchen versprach
6) *weil Hans ihmi PRO
[ NPi den Mann ]
zu besuchen versprach
In den Beispielsätzen sind koreferente ( aufeinander bezogene, referenzidentische ) NP's mit dem gleichen Index versehen, Ungrammatikalität aufgrund disjunkter Referenz ( engl. disjoint reference ) wurde mit einem Stern gekennzeichnet.
Die nominalen Ausdrücke, die in Koreferenz zu ihrem Antezedentia ( lat. Antecedens = Vorausgänger, Bezugswort )1) stehen können, lassen sich - wie aus den Beispielen ersichtlich ( mit einigen Zusätzen ) - in folgende Klassen spezifizieren :
a) Betrachtet man die Beispiele 3) und 5), so ist zu sehen, daß, das Antezedens 'dem Mann' dem Pronomen 'ihn' vorausgeht. In diesem Fall spricht man von Vorwärtspronominalisierierung.
b) In den Beispielen 4) und 6) hingegen liegt der Fall von Rückwärtspronominalisierung vor - das Antezedens folgt dem Pronomen ( für die NPi ).
Ersteres - a) - scheint immer möglich zu sein, wohingegen der andere Fall -
b) - gewissen Einschränkungen unterliegt. Beim Vergleichen von 3), 4) und 5),
6) erkennt man, daß dies nicht nur von der Reihenfolge der Anordnung von
Antezedens/Pronomen abhängt ( einer Art Linearisierungsbeschränkung ),
sondern strukturell bedingt sein muß.
Betrachtet man dazu die
Strukturbäume von Bsp. 4) und 6) in 4') und 6'), so ist zu sehen, daß in
4') das Pronomen in eienem tieferliegenden Teilbaum S steht als sein Antezedens :
4')
6')
Def. 0 : In einer Struktur Gamma dominiert ein Knoten Alpha einen Knoten Beta gdw. Alpha ungleich Beta gilt, und es eine Folge von Knoten Alpha=Delta1,...,Deltan=Beta gibt, so daß Deltai direkt oberhalb von Deltai+1 ( i aus {1,...,n-1} ) auf einem abwärtsführenden Weg von Alpha nach Beta liegt.
Def. 1' : In einer Struktur Gamma kommandiert ein Knoten Alpha einen Knoten Beta <=> df
Koreferenzbeschränkung :
Ein Pronomen Alpha, das einer nichtpronominalen NP Beta vorangeht und sie
kommandiert, kann nicht mit ihr koreferent sein. Oder anders ausgedrückt
( s. /2/ S.99 ) : *[ ... Alphai ... Betai ... ]
falls
7) [ S' [ COMP daß ][ S [ NP
Peters Meinung über ihn i ][ VP
[ NP i Max ][ V erschreckt hat ]]]]
mit dem entsprechenden Strukturbaum
7')
Def. 1'' : In einer Struktur Gamma z-kommandiert ein Knoten Alpha einen Knoten Beta <=> df
8) Der Gendarm nahm ihn i fest, als Hans i entwischen wollte
Nach Def. 1'' wird die nichtpronominale NP 'Hans' im Adverbialsatz vom NP-Pronomen 'ihn' z-kommandiert ( relevanter zyklischer Knoten ist S ), wie sich aus 8') ersehen läßt :
8')
Def. 1 : In einer Struktur Gamma c-kommandiert ( k-beherrscht ) ein Knoten Alpha einen Knoten Beta <=>df
8')
Def. 2 : In einer Struktur Gamma m-kommandiert ein Knoten Alpha einen Knoten Beta ( 'm' steht für maximal ) <=>df
Def. 3 : In einer Struktur Gamma bindet (engl. bind ) eine NP Alpha eine NP Beta <=>df
9) Er i / Hans i mag sich i / *ihn i / *Hans i / Maria j
9')
10')
[ S Er i / Hans i mag sich i ]
[ S Hans i weiß [ S' daß [ S Peter j sich j bewundert ]]]
Bezieht sich die NP dagegen auf das Subjekt des übergeordneten Satzes ( Matrixsatz ), sofern ein solcher S vorhanden, so liefert das Beispiel
*[ S Hans i weiß [ S' daß [ S Peter j sich i bewundert ]]]
ein ungrammatisches Resultat.
In diesem Falls muß anstelle der Anapher
( des Reflexivpronoms ) ein Pronomen stehen, wie aus
[ S Hans i weiß [ S' daß [ S Peter ihn i bewundert ]]]
ersichtlich ist. Ein Pronomen kann daher nicht mit dem Subjekt des kleinsten Satzes, der das Pronomen unmittelbar umgibt, koreferent sein :
*[ S Er i / Hans i mag ihn i ]
*[ S Hans i weiß [ S' daß [ S Peter j ihn j bewundert ]]]
Ein unter NP 3 stehender R-Ausdruck, hier ein Name, kann demgegenüber weder it dem Subjekt des eingebetteten Satzes
*[ S Er i / Hans i mag Hans i ]
*[ S Hans weiß [ S' daß [ S Peter j Peter j bewundert ]]]
noch mit dem des Matrixsatzes koreferent sein :
*[ S Hans i weiß [ S' daß [ S Peter Hans i bewundert ]]]
Die bisher betrachteten Beispiele legen mit den anfangs aufgeführten Bindungsverhältnissen folgende Regeln nahe :
( A ) Anaphern müssen in dem minimalen S,
in dem sie enthalten sind, gebunden sein
( B ) Pronomina dürfen in dem minimalen S, in dem sie
enthalten sind, nicht gebunden sein ( sind frei )
( C ) R-Ausdrücke dürfen überhaupt nicht
gebunden sien ( sind überall frei )
Wie ein weiteres Beispiel zeigt, ist der minimale S ( -Knoten ) als Bereich für Bindung noch zu restriktiv :
11) [ S Er i las [ NP 2 Marias j Brief [ PP von *sich i / sichj / *ihr j / ihm i ]]]
11')
[ NP 1 Er i ] las Marias j Briefe von [ NP 4 ihm i ]
Soll hingegen NP 4 mit NP 3 referenzidentisch sein, so muß unter NP 4 das Reflexivpronomen stehen :
Er i las [ NP 2 [ NP 3 Marias j ] Brief von [ NP 4 sich j ]]
Im Vorangegangenen wurde bei der Reflexivierung einer NP immer in Bezug auf das als Antezedens fungierende Subjekt des kleinsten, die NP unmittelbar umgebenden Satzes gesprochen. Demnach spielt die NP 3 im Bsp. 11) offenbar die Rolle des Subjekts im NP-Komplex NP 2. Also müssen neben minimalen S-Knoten auch minimale NP-Knoten in ( A ) und ( B ) als bindungsrelevante Bereiche zugelassen werden, wenn man Beispiel 11) nicht ausschließen will. Betrachtet man die bisher behandelten Beispiele anhand der Strukturbäume etwas näher, so fällt auf, daß die als Antezedens fungierenden Subjekt-NP's stets direkt unterhalb der für Bindung relevanten S- oder NP-Knoten liegen. An der Gegenüberstellung nachfolgender beider NP- und S-Konstruktionen sei dieses Spezifikum noch einmal deutlich hervorgehoben ( ohne Betrachtung von Koreferenzproblemen ) :
12) [ NP [ NP the enemies' ] destruction of the city ]
versus
13) [ IP=S [ NP the enemies ] will destroy the city ]
mit den zugehörigen Strukturbäumen :
12') versus 13')
Def. 4 : In einer Struktur Gamma dominiert ein Knoten Alpha einen Knoten Beta unmittelbar <=>df
Def. 5 : Ein Subjekt von Alpha ( wobei Alpha = NP oder Alpha = S ) ist die NP, die unmittelbar von Alpha dominiert wird ( die in der Spec Alpha - Position vorkommende NP )
Ob noch weitere Kategorien über Subjekte verfügen, soll hier nicht weiter
diskutiert werden.
Nun muß allerdings nicht jede komplexer aufgebaute NP
auch unbedingt über ein Subjekt verfügen, wie
14) [ NP John i ] lost [ NP 2 a picture of himself i ]
zeigt. Hier ist der Spec NP 2-Knoten durch einen Determiner besetzt :
14')
15) [ NP 1 John j ] lost [ NP 2 [ NP 3 Mary's i ] picture of herself i / *himself j / him j ]
die Spec NP 2-Position lexikalisch besetzt durch eine NP 3,
15')
16) Theyi expected [ IP=S each otheri / *them i to win ]
Eine Anapher in Subjektposition eines eingebetteten Satzes Sinf kann durch das Subjekt des Matrixsatzes gebunden werden. In Objektposition hingegen kann die Anapher nicht über das Subjekt des Sinf hinaus durch die Subjekt-NP des Matrixsatzes gebunden sein :
17) They i expected [ IP=S inf me to help them i / *each other i ]
Die Rolle des Subjekts zur Definition des relevanten Bindungsbereiches ( der in den Regeln ( A ) und ( B ) als 1. Näherung mit dem minimalen NP- und S-Knoten angegeben war ) wurde von Chomsky ( 1973 ) unter der Bezeichnung "Specified Subject Condition" ( SSC ) wie folgt festgehalten ( cf. /3/ S. 185 ) :
Def. 6 : The local domain D ( for anapher binding ) = the c-command domain of a subject NP ( the SSC case )
Diese Definition präzisiert bereits ( mit den in Definition 5 vereinbarten
Begriff der Subjekt-NP ) die Domänen NP und S in ( A ) und ( B ), denn
während Subjekte bei IP's bzw. S obligatorisch auftreten, sind sie in NP's
fakultativ ( wie in den Beispielen 14) und 15) zu sehen war ), womit subjektlose
NP's für D ausgeschlossen werden.
Daß Def. 6 allein nicht ausreicht,
um D ( in Def. 6 ) vollständig zu charakterisieren, zeigt sich, wenn man in 16)
die infinite IP durch eine finite Konstruktion ersetzt :
18) Theyi expected [ IP=S fin *each otheri / they i would win ]
Der Matrixsatz ist hier die minimale Domäne, die Def. 6 erfüllt. Aber eine
in Subjektposition des eingebetteten IP=S fin liegende Anapher kann hier
nicht durch das Subjekt des übergeordneten S fin gebunden sein.
Der Unterschied zu 16) liegt - durch die Konstruktion bedingt - in der Flexion des
im eingebetteten IP/S fin liegenden Verbs durch Tempus ( engl. tense )
und AGR ( engl. AGReement ).
Chomsky ( 1973 ) formulierte daher eine weitere
Lokalitätsbeschränkung für D, die "Tensed S condition" ( TSC ), in
der das Tempus als relevanter Faktor erscheint ( cf. /3/ S. 186 ) :
Def. 7' : The local domain D = the c-command domain of tense ( the TSC case )
Dadurch wird Anaphern-Bindung über einen temporalisierten Satz ( engl. clause ) hinaus verhindert. Ein weiteres Problem ergibt sich bei folgendem Beispiel :
19) [ IP 1 They i thought that [ IP 2 [ NP books about each other i / them i ] would be on sale ]]
Die Anapher wird in diesem Fall durch AGR c-kommandiert, wodurch nach der "Tensed S
Condition" der eingebettete IP 2 für D anzusetzen ist. Demnach kann
die Anapher nicht gebunden sein, denn da das Reziprokpronomen innerhalb der Subjekt-NP
auftritt, wird es von derselben dominiert, was nach Def. 1 c-Kommando
ausschließt. Gemäß Def. 7' sollte 19) also ungrammatisch sein.
Chomsky ( 1980 ) vermutete hier ein ganz anderes Phänomen, nach dem Anaphern,
die im Nominativ erscheinen ( wie in Bsp. 18) ), in dem sie umgebenden minimalen S'
nicht ungebunden auftreten dürfen. Er formulierte dies in der "Nominativ Island
Condition" ( NIC ), die nun anstelle des TSC verwendet wird ( cf. /3/ S. 186 ) :
Def. 7 : A nominative anapher may not be free in S' ( the NIC )
Bsp. 18) mit Nominativ-Anapher wird dadurch ausgeschlossen. Bsp. 19) nicht mehr, da
die Anapher weder im Nominativ steht ( NIC ), noch vom Subjekt des eingebetteten S
c-kommandiert ist ( SSC ), was sie folglich nicht mehr daran hindert, im eingebetteten
S frei zu sein, und somit vom Subjekt des Matrixsatzes gebunden zu werden ( SSC ).
Man beachte übrigens auch, daß 19) eines der Paradigmen ist, bei denen
das übliche komplementäre Auftreten von Anaphern und Pronomen ( wie in den
Regeln ( A ) und ( B ) beobachtet wurde ) aufgehoben ist. Beide, Reziprokpronomina
und Pronomen, können für Koreferenz mit dem Subjekt dienen.
Beide Modelle der Bindungstheorie, das SSC/TSC und das SSC/NIC-Model hatten in
späteren Arbeiten noch weitere Nachfolger.
Im Vorangegangenen war an der Festlegung der bindungsrelevanten Domäne das
Subjekt immer maßgeblich beteiligt, was im "SSC case" ( Def. 6 ) schon
deutlich hervorgehoben wurde. Chomsky ( 1986 ) hat dafür noch eine weitere
Charakterisierung entwickelt, indem er den Begriff des "vollständigen
funktionalen Komplexes" ( engl. complete functional complex; Abk. CFC )
einführte ( vgl. /2/ S. 103 (25) ), was der Bezeichnung von Subjekt und
Objekt als sogenannte "grammatische Funktionen" ( cf. /2/ Kap. 2.2 ) entgegenkommt.
Dies hat er wie folgt formuliert :
Def. 8 : Eine Kategorie Alpha ist ein CFC, wenn Alpha einen Kopf Beta und alle mit Beta verträglichen grammatischen Funktionen enthält.
Das besagt nichts anderes, als daß Kategorien, die nach Def. 5 ein Subjekt enthalten, ein CFC darstellen. Diese etwas andere Formulierung von Def. 8 soll hier zusätzlich noch festgehalten werden in ( cf. /3/ S. 237,19 ) :
Def. 8' : A maximal phrase containing a subject is ( in Chomsky's terms ) a "complete Functional Complex" ( CFC ).
Da IP's obligatorisch über ein Subjekt verf&umul;gen, sind sie somit auch
gleichzeitig immer ein CFC. Bei NP's hingegen ist dies nur der Fall, wenn sie auch
tatsächlich ein Subjekt enthalten, wie schon der Vergleich von 14) und 15)
zeigte.
Betrachtet man unter diesem Aspekt nun nocheinmal die Beispiele 9) und
19), aus denen heraus die Regeln ( A ) bis ( C ) abgeleitet wurden, so sieht man,
daß dort der minimale ( eingebettete ) S ( die minimale NP in 11) und 15) ),
in dem die Anapher bzw. das Pronomen auftaucht, als der CFC anzusetzen ist, der die
f&umul;r Anaphernbindung relevante Domäne bildet, bzw. in dem ( nach ( B ))
das Pronomen nicht gebunden sein darf, was anhand weiterer Beispiele mittels
geschweifter Klammer ( Für den CFC ) nochmal illustriert werden soll :
20) { Hans i rasiert sich i /
*ihn i }
21) Peter i believes that { Mary j hurt
herself j / *himself i /
*she j / him i }
22) Paul i expects { Mary to defend
*himself i / himself i }
23) { Jörg i vermißte das Buch von
sich i / *ihm i }
24) They i read { Mary's books about
*each other i /
them i }
Die Anaphern bzw. Pronomen tauchen hier immer in Objektposition auf. Nimmt man jedoch eine ECM-Konstruktion, wie in 16), in der Anapher bzw. Pronomen in Subjektposition erscheinen, so muß der minimale CFC offensichtlich auf den nächsthöheren ausgeweitet werden :
*They i expected { them i to win } ...
versus
{ They i expected each other i to win }
bzw. für Pronomen in Subjektstellung :
25) *Bill thinks that John i expects
{ him i to get the job } ... versus
25') Bill i thinks that { John expects
him i to get the job }
Im Vorangegangenen wurde diese Erscheinung mit dem SSC-Kriterium zur Festlegung
von D abgefangen.
Für den CFC scheint zu gelten, daß dieser auf den
Nächsthöheren erweitert werden muß, wenn Anapher und Pronomen in
Subjektposition auftreten. Daß dies aber nicht generell zutrifft, zeigt sich,
wenn man in 16) - wie es zur Einführung der TSC in 18) geschah - den infiniten
durch einen finiten IP-Teil austauscht :
They i expected { they i would win } ... aber
*{ They i expected each other i would win }.
In diesem Fall darf der minimale CFC im Gegensatz zum Vorigen nicht auf den
Nächsthöheren erweitert werden.
Offenbar ist also nur dann der
nächsthöhere CFC anzusetzen, wenn Anapher bzw. Pronomen sich in
der Subjektposition eines infiniten Satzes befinden. Nun wurde schon im TSC
festgeschrieben, daß die lokale Domäne D nicht erweitert werden darf,
wenn sich Anapher bzw. Pronomen im c-Kommandobereich des Tempus befindet, welcher
unterINFL ( zusammen mit AGR ) zu finden ist.
Aus der Kasustheorie ist
weiterhin bekannt, daß INFL der Subjektposition im finiten Satz Kasus ( d.h.
den Nominativ ) zuweist. In infiniten IP-Strukturen dagegen ist es das Matrixverb,
i.e. das Verb aus dem Matrixsatz ( z.B. A.c.I.-Verben in ECM-Konstruktionen ), das
kasuszuweisend auf das Subjekt des eingebetteten IP / Sinf wirkt. Objekte
hingegen erhalten Kasus immer vom Verb ( vgl. /1/ S. 147 ff.; /2/ Kap. 2.2 ).
Entscheidend für die Festlegung des CFC ist also, in welchem CFC das
kasuszuweisende Element auftritt. In finiten Sätzen wurde festgestellt,
liegt es im gleichen CFC wie Subjekt und Objekt selbst, in infiniten Sätzen
wird dem Subjekt hingegen Kasus vom Matrixverb, i.e. vom Verb aus dem
nächsthöheren CFC zugewiesen.
In diesem Zusammenhang sei nun der
Begriff der Rektion ( engl. government ) mit aufgeführt, der schon aus der
Rektionstheorie bekannt ist. Er soll hier mit Hilfe des aus Def. 2 bekannten
m-Kommandos ( cf. /2/ S. 106 f. ) fixiert werden :
Def. 9 : In einer Struktur Gamma regiert ein Knoten Alpha einen Knoten Beta ( i.e. Alpha ist Regens für Beta ) <=>df
Def. 9' : In einer Struktur Gamma regiert ein Knoten Alpha einen Knoten Beta <=>df
Def. 10 : In einer Struktur Gamma ist Alpha die Rektionskategorie für Beta <=>df
Bindungstheorie :
Prinzip ( A ) : Anaphern sind in ihrer Rektionskategorie gebunden.
Prinzip ( B ) : Pronomina sind in ihrer Rektionskategorie frei.
Prinzip ( C ) : R-Ausdrücke sind ( überall ) frei.
Weitere Beispiele sollen nun den Sachverhalt des bisher Dargelegten nochmals illustrieren :
26) weil {CFC2 Hans {CFC1 sich nach Moskau fliegen } sieht }
26')
27) {CFC1 Leutei, { diei für den Kanzlerj arbeiten }, fürchten Kohlj }
27')
Weil die Subjekt-Position, in der RD Alpha lexikalisch durch die NP2 besetzt ist, kann dort auch niemals eine Anapher auftreten, wie man sieht, da nach ( A ) Bindung nicht möglich wäre ( denn Dominanz schließt c-Kommando aus ). Für die R-Ausdrücke unter NP3 und NP4 ist Koreferenz erlaubt. Da sie sich nicht c-kommandieren, ist Bindung nicht möglich, folglich gilt ( C ). In den bisherigen Beispielen für Bindungsverhältnisse wurden nur lexikalisch präsente Elemente behandelt. Die Bindungstheorie gilt aber auch für phonologisch leere Elemente, wie Spuren oder PRO-Elemente, die anfangs in den in Klassen spezifizierten nominalen Ausdrücken mit auftauchten.
In den 2 Beispielen soll kurz ( und nicht weiter ) darauf eingegangen werden :
28) {CFC1 Maryi seems {CFC2 ti to be happy }}
28')
29) weil {CFC1 Hansi seinem Freund {CFC2 PROi sichi zu rasieren } versprach }
29')
S'-Tilgung ist nicht zulässig !
2) Expletives 'es' ( auch : unpersönliches Pronomen, lat. expletivus = ergänzend ) : Satzgliedhaftes, obligatorisch auftretendes 'es' mit nur morphologisch-syntaktischer Funktion ohne Referenz und Bedeutung, z.B. als quasi-Subjekt in 'Es regnet' mit Nicht-Theta-Rolle.
3) PRO-Element : Abstraktes Element der durch leere Kategorien angereicherten Oberflächenstruktur ( S-Struktur ), welches als phonetisch leere PRO-Form das logische Subjekt eines Infinitivs syntaktisch repräsentiert, wie z.B. in 'Peter i glaubt, PRO i Maria zu lieben'
4) ECM ( Abkürzung für "Exceptional Case Marking" ) :
In der GB-Theorie ( engl. Government-Binding-Theorie, dt.
Rektions-Bindungs-Theorie ) Beschreibung eines Konstruktionstyps, bei dem das
logische Subjekt eines eingebetteten Satzes im Akkusativ erscheint, und somit
vom Verb des Matrixsatzes ausnahmsweise ( exceptional ) kasusmarkiert ist;
sogenannte ECM-Verben sind z.B. lassen, hören, sehen ( im Deutschen ),
believe, expect ( im Engl. )
5) Relativpronomen ( spätlat. relâtivus = bezüglich ) :
Pronomen, das sich in der Regel auf ein unmittelbar vorausgehendes Substantiv
( bzw. auf NP oder S ) bezieht, und attributive Nebensätze einleitet;
z.B. der / die / das, wer / was / welcher, ...